Gottesdienst zu Hause

Vor dem Gemeindehaus und dem Orankefriedhof hängen am Sonntagmorgen kleine Beutel: Der Gottesdienst zum Mitnehmen. Hier finden Sie ihn zum Download.

Gottesdienst am vierten Sonntag nach dem Trinitatisfest, (05.07.2020; PDF, hier klicken) von Pfn. Christina Trodler (Predigt) und Pfr. Clemens Hochheimer

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Andacht vom 1. Juli 2020

von Pfarrerin Renate Kersten

Liebe ist geboten

Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. In der Liebe gibt es keine Angst. Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht. Das Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.
1. Joh. 4, 16.18a.20+21

Ein halbes Jahr blieb Heinrich VIII im Jahr 1540 mit Anna von Cleve Frau verheiratet. Vor der Hochzeit hatte er nur ein gemaltes, kleines Bild von ihr gesehen, das er sympathisch fand. Die tatsächliche Begegnung verlief jedoch enttäuschend.

Der echte Kontakt kann Liebe töten, so scheint es. Die Liebe zu Bildern, die wir uns machen, ist einfacher. Nicht nur unter Paaren: Eine Ehrenamtliche im Besuchsdienst hatte sich ausgemalt, wie dankbar dein alter Mensch über ihren Besuch sein würde. Als die ersten Begegnungen nicht nach Plan verliefen, sagte die Ehrenamtliche alle weiteren Besuche ab. Auch in der Familie sind Enttäuschungen an der Tagesordnung: Mutter, Vater oder Kind zu sein, das ist alles viel weniger harmonisch, als man sich das wünscht. Lieben – die Partnerin, die eigenen Kinder, Nachbarinnen und Nachbarn, die Eltern, das Leben selbst, auch das eigene, die Menschen in der Gemeinde, bis hin zu Feinden, das hat Jesus geboten. Es ergibt sich nicht von selbst – sonst hätte es kein Gebot gebraucht.

Der Testfall ist benannt: Kann ich die Menschen in meiner Gemeinde lieb haben? So wie sie sind? Sind sie mir die Liebe Wert, auch die Liebesmüh? Wenn nicht, so steht es hier, ist die Liebe zu Gott nicht echt. Wenn ich mich Menschen verschließe, die Gott aber doch liebt, dann macht das etwas mit Gott und mit unserem Verhältnis zueinander. So sehr wir uns in den Gemeinden bemühen, engagiert, korrekt und spirituell erfüllt zu leben, es wird Gott nicht positiv berühren, wenn wir nicht zugleich etwas von dem liebevollen Blick auf uns abfärben lassen, mit dem Gott alles Leben ansieht.

Wer in der Gemeinde lebt, weiß das, hat es oft gehört – und scheitert täglich daran. Wer kleinmütig und furchtsam scheitert, tut so, „als ob“, nach dem Motto: „Wenn es mir schon nicht gelingt, dich zu lieben, dann bin ich eben betont freundlich und spreche Probleme nicht an.“ Aus dem ängstlichen „Wir müssen uns doch alle lieb haben!“ hat sich mancherorts eine Nicht-Gesprächskultur entwickelt. Hart, aber wahr: Angst hat in der Liebe nichts zu suchen. Wenn die Angst regiert, ist es nicht Liebe, die uns bestimmt.

Andere geben den Anspruch der gebotenen Liebe auf. Manchen machen das Liebesgebot zu einer Kann-Bestimmung: „Liebe, wenns gerade passt!“ Oder: „Wenn du es im Herzen spürst.“ Beides ist nicht gemeint. Das Liebesgebot ist nicht einfach, und es wird nicht besser, wenn wir versuchen, es einfach zu machen. Scheitern und nicht-Können sind keine Argumente. Schließlich gibt es die Möglichkeit der Vergebung und die des lebenslangen Lernens. Gott ist Liebe, in der Liebe bleiben ist in Gott bleiben, zur Liebe zurückfinden heißt, zu Gott zurückfinden. Das ist dann doch wieder einfach. Wer liebevoll lebt, ist in Gott, ob er oder sie davon weiß oder nicht.