Gottesdienst zu Hause

Vor dem Gemeindehaus hängen am Sonntagmorgen kleine Beutel: Der Gottesdienst zum Mitnehmen. Hier finden Sie ihn zum Download.

Gottesdienst zum Mitnehmen Gründonnerstag von Pfrn. Christina Trodler

Gottesdienst zum Mitnehmen Palmsonntag (PDF, hier klicken) von Pfrn. Nana Dorn


Passionsandacht vom 8. April 2020

Krone ab zum Gebet

Liebe Leserinnen und Leser,
zu Beginn der Woche hielt die Queen eine Rede. Ich interessiere mich nicht besonders für die Royals. Aber mir fiel auf, dass die Queen ihre Rede ohne Krone hielt. Nun weiß ich nicht, wie sie sich sonst in der Öffentlichkeit zeigt, aber nach meinem Empfinden gehört zum Königshaus das Herrschafts- und Machtsymbol der Krone.

Es ist eine merkwürdige Zeit.

Vor drei Tagen war Palmsonntag. Da erinnerten wir uns daran, wie Christus in Jerusalem eingezogen ist und die ganze Stadt voller Freude war und „Hosianna“ rief und Kleider vor ihm ausbreitete und Palmenzweige auf den Weg streute.

In drei Tagen ist Karfreitag. Da erinnern wir uns daran, wie Christus in Jerusalem verurteilt und auf dem Berg Golgatha hingerichtet wurde. Die ganze Stadt war außer sich und die, die vor kurzem noch „Hosianna“ riefen, riefen nun „kreuzige“. Und statt Kleider vor ihm auszubreiten, zogen sie ihm einen Purpurmantel an und verspotteten ihn. Und statt Palmenzweigen krönten sie ihn mit einer spinea corona, einer Dornenkrone.

Es ist eine merkwürdige Zeit.

Eine Zeit zum demütig werden.
Wir werden mit der undankbaren Erkenntnis konfrontiert, dass wir als Menschen nicht alles beherrschen können. Wir Christenmenschen müssten es eigentlich
ohnehin besser wissen - denn der Versuch, den vermeintlichen Unruhestifter aus Nazareth am Kreuz loszuwerden, scheiterte kläglich. Doch dazu am
Sonntag mehr.

Ja, wir müssen in Coronazeiten erkennen, dass wir nicht die Herren über Leben und Tod sind, nicht die Herren über unser Geschick und die Gesundheit. Eigentlich wissen wir das ja, aber dennoch erschrecken wir derzeit vor der Unmittelbarkeit dieser Erkenntnis - wir sind machtlos. Und ausgerechnet ein Virus lehrt uns das. Anders als ein Bakterium ist ein Virus kein Lebewesen - es will nichts, es verfolgt keinen Plan und es folgt so gesehen auch keinem Sinn - und doch wird uns Angst und Bange. Und zu allem Überfluss heißt es auch noch Corona-Virus. Corona, das ist das lateinische Wort für Krone. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, erkennt in dem Virus, dem er den Namen Corona gegeben hat, die eigene Machtlosigkeit.

Es ist eine merkwürdige Zeit.

Der Blick voraus erinnert uns Christenmenschen an die Dornenkrone unseres Herrn, seine Verspottung und den schmachvollen Tod am Kreuz. War das alles sinnvoll? Seit 2000 Jahren suchen Menschen nach dem Sinn, stellen diese Frage auch immer wieder - und auch jetzt drängt sich die Frage auf: Warum?

Liebe Leserinnen und Leser - es ist Karwoche. Ich habe keine bequeme Antwort auf die Frage. Aber wenn wir unseren Blick auf das Kreuz richten, dann blicken wir nach oben, denn das Kreuz steht oben auf dem Berg. Und wenn wir nach oben blicken, dann fällt die Krone hinten runter. Die Queen hat sie vorsorglich schon abgenommen. In dieser Woche ist die Zeit, unsere Machtlosigkeit anzuerkennen, die Krone abzunehmen und unseren Blick auf den zu richten, der allein eine Krone trägt. Eine Krone, die schmerzt und sticht und die von der Macht Zeugnis gibt, die sich in der Schwachheit zeigen wird, der Macht aus der Ohnmacht, dem Leben aus dem Tod.
Darauf vertraue ich. Und dafür bete ich in diesen Tagen.

Es ist eine denkwürdige Zeit.

Gottes Schutz geleite Sie durch diese Zeit.

Ihr Jonathan Schmidt

 

Die Passionsandacht als Download (hier klicken, PDF)