Schatzkiste

Gedanken zum Wochenspruch  zur Woche ab dem 1. Sonntag nach Weihnachten

Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit. Johannes 1,14

... und wohnte unter uns ...
Spätestens seit dem Wirtschaftsboom in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts waren  „Fremdlinge“ in der Bundesrepublik Deutschland, die sog. Gastarbeiter.  Auch im Bereich der ehemaligen DDR waren solche Helfer - Fachkräfte "aus den befreundeten sozialistischen Bruderländern" - seit den 70er Jahren zu finden, überwiegend aus Vietnam. In die BRD kamen Menschen aus dem europäischen Raum, dann auch immer mehr aus Vorder-, Zentral-, ja, sogar aus Ostasien. Alle diese Menschen brachten ihre Kulturen mit. Mit allem, was dazu gehört. Inzwischen ist unsere Gesellschaft multikulturell.

Mit verschiedenen Konsequenzen! Fremdes befremdet. Und angesichts der Versäumnisse der Vergangenheit hinsichtlich der Integration der „Fremden“ in die Gesellschaften – sowohl im Osten wie im Westen – sind immer noch starke kulturelle Grenzen erkennbar. Darum fühlen sich manche Menschen verunsichert oder gar bedroht. Manche Christen fürchten sogar um Glauben und Kirche, reden gar vom kommenden Antichristen.

Aber Fremdes befremdet nicht nur. Es bereichert auch. Man denke an die vielen Angebote für unseren Gaumen! Man denke an die Vielfalt in Musik und Malerei und in der Andersartigkeit der Lebensbewältigung. Wer sich in eine Begegnung mit anderen Kulturen hineinbegibt, kann lernen und sein Bewusstsein erweitern. Nur so wird er auch fähig, das Gute in anderen Kulturen zu erkennen und zu behalten und das weniger Gute wegzulassen.

Und auch wenn wir länger in die Vergangenheit schauen, so entdecken wir: Ganz Mitteleuropa war ein Schmelztiegel für viele Völker und Volksgruppen. Daraus entwickelte sich eine Identität, die heute kaum noch unterscheidbar bezüglich der ehemaligen Wurzeln ist. Viele z.B. französische oder polnische oder nordische Spuren muss man suchen, um sie überhaupt noch als solche früherer Migranten zu entdecken. Und um beim „deutschen“ zu bleiben: Viele kulturelle und wirtschaftliche Ergebnisse der Einwanderung vor Jahrhunderten zählen wir heute ganz natürlich zu den "deutschen" Tugenden. Sollte das nun künftig anders werden?
Bleiben wir also gelassen, wenn uns heute so viele notgeplagte Menschen aufsuchen und Asyl beantragen.

Auch unser Wochenspruch aus dem Johannes-Evangelium redet nicht von Problemen in Zusammenhang mit der „Migration“, hier allerdings von oben. Mit der Fleischwerdung des Logos, von dem dieser Halbvers im Johannes-Evangelium spricht, ist jemand aus der himmlischen Welt zu uns auf die Erde gekommen, nämlich Jesus Christus. Er hat bei uns sein Zelt aufgeschlagen und uns Werte der himmlischen Kultur vermittelt. Schon die Menschen vor knapp 2000 Jahren haben sich – anfangs nur wenige, später immer mehr, und heute sind es über zwei Milliarden Menschen – auf diesen „Migranten“ eingelassen, haben sich verändert wie z.B. der Apostel Petrus, sich beschenken lassen von Gott selbst.

Wer sich auf eine Begegnung mit Ihm, mit Jesus, einlässt, wird in Sachen Egoismus, in Sachen Mitmensch, in Sachen Leben und Tod, in Sachen Freiheit von Bindungen, von Schuld und von mehr, anders urteilen und leben. Er wird, wenn nötig, alte Werte fallen lassen und neue aufnehmen.
Und wer diese Veränderung bei sich auch als hilfreich erfährt, der wird nicht nur dankbar dafür sein, sondern der wird die zu uns gekommene himmlische Kultur, die Weisungen Jesu, in seinem Leben umzusetzen versuchen und sie auch anderen Menschen empfehlen:
Auf verschiedene Weise und mit Geduld.
Nach den Gegebenheiten.
Und auch unter Einladung der neuen Mitbürger, sofern sie sich einladen lassen.
Aber auf jeden Fall friedlich und freundlich.

Alles Gute für das neue Jahr!

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Donnerstag, 18. Januar 2018
Du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer.
Jesus Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.