Schatzkiste

Gedanken zum Wochenspruch zur Woche ab dem 2. Sonntag nach Trinitatis

Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Matthäus 11,28

In den Jahren seiner Wirksamkeit nach seiner Taufe predigte Jesus das Reich Gottes. Er wollte, dass sich die Menschen des Volkes Gottes in ihrem Leben wieder ganz auf Gott hin ausrichten. Dass sie im Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und Liebe ihr Leben nach dem "höchsten Gebot" gestalten: Liebe Gott, und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.  Jesus verbindet das mit seiner Person. Darum wirbt er auch um Vertrauen auf seine vom Vater verliehene Vollmacht. Er versucht das in Galiläa und in Jerusalem, wovon einige Verse zuvor im 11. Kapitel des Matthäus-Evangeliums berichtet wird.. Wie eine Glucke ihre Küchlein sammelt, so möchte er sein Volk sammeln. Das aber will sich nicht sammeln lassen. Heute richten sich diese Worte auch an uns Christen!

Neben Zuspruch beim Volk gab es zugleich auch Ablehnung seiner Person, vor allem bei den Verantwortlichen für das Volk, bei denen die eigentlich weise und klug genug sein sollten. Die Ablehnung war kein sporadisches Geschehen, sie hatte Kontinuität. Davon berichtet die Klage über die galiläischen Städte und über Jerusalem, davon erzählen wohl auch die Kontrastgleichnisse. Beim Evangelisten Johannes gibt es nicht nur die Frage, ob denn die Jünger auch weggehen wollen, sondern vor allem das zusammenfassende Ergebnis: "Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf".
Jesus erlebte also Enttäuschung wie viele seiner Zeugen im Laufe der Geschichte. Wenige Zeilen vor unserem Wochenspruch können wir es erkennen, wie Jesus diese Ablehnung verarbeitet: "Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart."
Auch in unseren Tagen finden wir Ablehnung der Botschaft von Jesus. Speziell in unserem Kiez ist da sicher das beharrliche Wirken der Atheisten und Kommunisten in der DDR-Zeit bis heute zu spüren. Die Gottesdienstgemeinden sind kleiner geworden. Die Kirchen insgesamt auch. Das hinterlässt seine Wirkung.
Auffallend ist: Jesus wird in seinen Enttäuschungen weder körperlich noch seelisch krank. Er dankt Gott und preist ihn, weil er auch in diesen Erfahrungen Gott am Werke sieht. "Du hast es den Klugen und Weisen verborgen." Es ist kein Zufall. Es liegt nicht in seinem oder unserem ungenügenden Tun. Und weil er alles, also auch die Ablehnung seiner Predigt und Messianität aus Gottes Hand nimmt, bleibt er heil. So heil, dass er nicht resigniert, sondern die Kraft findet, sich weiter als Rufer zu Gottes Reich zu betätigen.
Schaut man in die Geschichte, so stellt man fest, auch anderthalb Jahrtausend später ist in der christlichen Kirche eine ähnliche Situation da gewesen. Martin Luther wird von der Frage nach einem gnädigen Gott umgetrieben. Der Mönch Martinus steht für viele seiner Zeit. Fegefeuer und Ablass hatten Menschen belastet und ins Leiden geführt. Seine Suche und sein Finden hat zeitweilig die Menschen wieder näher an das Evangelium herangeführt. Aber heute, 500 Jahre später, sind wir - speziell in der evangelischen Kirche - in einer Situation, wo vielen "Studierten" - Theologen, die es eigentlich besser wissen sollten - eine Anpassung an den Zeitgeist sehr wichtig ist, oft wie es scheint wichtiger als das, was in der Bibel steht..
Sicherlich ist heute der Mensch aus anderen Gründen mehr belastet als vor knapp 2000 Jahren zur Zeit Jesu. Er hat Wissen gewonnen. Er hat eine Technik geschaffen. Aber er weiß nicht, ob er mit seinem Wissen und Können alles können darf. Er muss nach dem Willen der Ökonomie funktionieren und gewinnt bei allem Zeitgewinn durch die Technik anscheinend doch keine Zeit. Alles im gesellschaftlichen Leben ist von "Funktionieren" und von "Kostenersparnissen" und "Effizienz" so dominiert, dass der Mensch, der Mitmensch, keine oder nicht ausreichend Beachtung mehr findet. Und öffentliches Interesse ist nur noch vom "Spaß haben" geprägt. Doch dabei nimmt die Vereinsamung und Haltlosigkeit mancher Menschen  immer mehr zu. Der Mensch von heute hat Gott anscheinend verloren!
Der Verlust Gottes brachte auch den Verlust des Lebenssinns. So ist der Mensch genaugenommen belastet durch sein Menschsein, dem er nicht entlaufen kann.  Um so wichtiger ist es einfach wahrzunehmen, dass Jesus zur Erquickung einlädt. Sie alle sind von ihm und zu ihm eingeladen! Sicher ist es nicht in allen Fällen so, dass er das Belastende im Menschsein aufheben kann, aber er kann Erquickung darin verschaffen. Zutiefst geschieht dieses durch die Verheißung eines neuen Lebens, das aus Gottes Liebe geschaffen wird. Ich muss mich nur einmal darauf einlassen! Und noch etwas: der Mensch muss die Vollendung seines Menschseins nicht allein bewerkstelligen. Das bewahrt vor Resignation und Überlastung. Das macht das Leiden am Menschsein erträglich. Wir dürfen alle Last unserem Herrn und Heiland geben, sie bei ihm abladen. Um so tröstlicher ist die Zusage für die, die sie so nehmen, wie Jesus es gesagt hat: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.


Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Montag, 25. Juni 2018
Um deines Namens willen verwirf uns nicht! Lass den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden!
Paulus schreibt: Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache der Berufung und vollende alles Wohlgefallen am Guten und das Werk des Glaubens in Kraft.