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 Gedanken zum Wochenspruch zur Woche ab dem Sonntag Trinitatis

Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.  Jes 6,3

Der Wochenspruch stammt aus dem Bericht von der Berufung Jesajas zum Propheten, nachzulesen im sechsten Kapitel des Jesajapropheten. Dort steht: 1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.
Dank der Datierung mit dem König Usija wissen wir: Jesajas Berufung geschah etwa 739 vor Christus. Eine glückliche Zeit für Juda ging zu Ende, eine notvolle begann.
Jesaja befand sich bei der Berufung wohl im Vorhof des Salomonischen Tempels in Jerusalem. Ob er dort mit anderen Tempelbesuchern zusammen war oder allein war wissen wir nicht. Aber er schaute, was alle anderen nicht schauten. Er sah durch das Heilige und Allerheiligste hindurch Gott. Er sah ihn auf einem Throne sitzend und mit seinem Gewand alles füllend.
Und dann sah er jene Himmelswesen, Serafim genannt, die nur an dieser Stelle in der Bibel vorkommen und schwer zu beschreiben sind. Aus der Schilderung der Jesaja, welche Körperteile sie mit Flügeln bedecken, könnte man annehmen, dass sie wohl Menschenähnlichkeit besitzen. Sie haben Füße und ein Antlitz. Auch können sie sprechen.
Diese Schilderung Jesajas zeigt uns aber, dass der Mensch Göttliches nur in menschlichen Vorstellungen annähernd zu beschreiben vermag. Aber der Mensch wird damit immer hinter der göttlichen Wirklichkeit zurückbleiben.
Aber zurück zu den Serafim: Die Serafim haben als Engelwesen dienende Funktion. Sie umgeben oder umschweben die göttliche Majestät und sprechen dabei das dreimalige "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth ..."  und machen auf diese Weise Gottes Wesen, aber auch den Bereich seiner Herrlichkeit und Ehrung bekannt. Damit drängen sich natürlich sofort Fragen auf: Üben die Serafim diese Verkündigung immer aus? Wenn ja, wem gegenüber? Oder nur bei dem Menschen Jesaja, um ihm ein Fundament für seinen Prophetendienst zu vermitteln?
Die Serafim haben die Aufgabe der Verkündigung, der Kundmachung. Auch jener Engel auf Bethlehems Feld hatte diese Aufgabe, die Geburt Jesu kundzutun. Ohne diesen Engel hätte niemand erfahren, was geschehen ist.
Gott ist ja nicht nur im Himmel! Denn sonst bliebe er für die meisten Menschen unentdeckbar. Im Vaterunser beten wir auf Jesu Weisung hin: "...Wie im Himmel, so auch auf Erden". Dort geht es um den Willen Gottes, der wie im Himmel so auch auf Erden geschehen soll. Und so deutet sich auch im Wochenspruch diese Verbindung von Himmel und Erde an. Gewissermaßen in einer "Sonderschau" darf Jesaja Gottes Einmaligkeit im Himmel sehen. Aber nicht alle Menschen sind zu solcher "Sonderschau" geladen. Sie bleiben auf der Erde. Ist Gott da auch erkennbar?
Interessant ist die Formulierung "alle Lande sind seiner Ehre voll".
"Alle Lande" steht für die ganze Schöpfung. Der Glaube entdeckt in ihr, der Schöpfung, machtvolle, kluge, architektonische, künstlerische Spuren eines Schaffenden, des Schöpfers. Vom Makrokosmos bis zum Mikrokosmos. Und im biologischen und chemischen Erscheinungsgefüge unserer Welt. 
Wir sind vielfach durch die zweifellos beeindruckenden Erkenntnisse der Wissenschaft vom Staunen weggekommen. Alles wird nüchtern und oft mit atheistischem Eifer erklärt, als ob diese Erklärungen beweisen würden, dass es keinen Schöpfer gäbe. Aber die göttliche Spur in unserer Welt erschließt sich nicht nur dem forschenden Auge, sondern eigentlich jedem Menschen, der vorbehaltlos auf die wunderbare Welt schaut. Auch der Nichtforscher kann in der Ordnung und der Schönheit unseres Planeten, in der Farbenpracht von Blumen und im duftenden und sich wiegenden Kornfeld Gottes Wirken immer wieder entdecken. Und mancher ist innerlich geradezu genötigt das Paul—Gerhard—Liedes "Geh aus, mein Herz, und suche Freud" anzustimmen. Die Schöpfung lädt uns ein zur stillen oder lauten Anbetung Gottes.
Aber da wo Gottes Herrlichkeit missachtet wird, verliert sich der Mensch und alles wird als Ergebnis eines Zufalls erklärt. Wenn Gott nicht mehr als oberste Autorität anerkannt wird, da setzt der Mensch fest, was erlaubt und was nicht erlaubt ist. Nur scheint der Mensch damit überfordert. Das spüren wir in den Auswirkungen der klimatischen Entscheidungen, in den Problemen bei der Reinhaltung von Böden und Luft, unserer Nahrungsmittel und mehr. Wir spüren es im Verhalten gegenüber Menschen und Völker. Eigene Interessen von Menschen, die ein wenig Macht ausüben, spielen oft eine entscheidende Rolle. Nur was den eigensten Interessen dient, ist wichtig. Daraus können sich nur Fehlentscheidungen oder Fehleinschätzungen ergeben. Wenn etwa die westliche Welt sich zur Zeit konkret im Kampf gegen den Terrorismus findet, so wird vor allem die konsequente Abwehr mit polizeilichen und militärischen Mitteln betont, die Ursachen dagegen werden nur ungenügend gesucht.
Aber uns kann Jesaja Mut machen, denn dieser Ausruf der Serafim "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll" lässt es uns auch hier in Hohenschönhausen und heute im Frühsommer 2016 wissen: Gott ist mit uns und er will uns im Leben begleiten! Lassen wir uns doch darauf ein!

Herrnhuter Losungen

Tageslosung von Donnerstag, 18. Januar 2018
Du bist die Zuversicht aller auf Erden und fern am Meer.
Jesus Christus ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.